Volker Dobers
              
PARAMENTE
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»Epiphanias – Trinitatis«

300 x 36 cm / 52 x 60 cm / 300 x 27 cm, St.-Georgs-Kirche Gartow, siebenteilig

Ausführung: Paramenten- und Textilwerkstatt Stift Bethlehem, Ludwigslust

 

Der Grundgedanke des Entwurfs besteht in der Überlegung, das Spannungsfeld des durch die Prinzipalstücke Altar/Kanzel, Taufe und Ambo bestimmten Ortes der Liturgie sowie seine architektonische Erhabenheit räumlich zu markieren (Motiv des gr. témenos). Dabei kommen im wesentlichen drei Elemente zur Geltung, die in sich wieder eine Dreiheit aufweisen. Die weithin abstrakt gehaltenen Paramente wollen die klare Sprache des Raumes respektieren und dennoch als Komponente zur Geltung kommen.

 

Die Dreizahl macht Spannung, Rhythmus und »Musikalität« (Dreiklang) des Entwurfs aus. Auch formal hat sie Einfluss auf die Maße und Proportionen. Von der Struktur her geht die Bewegung vom linken über den Ambobehang hin zum rechten Parament. (Wer will, mag darin eine Anspielung an die in Röm. 6, 3-4 genannte Bewegung sehen: geboren werden, sterben und auferweckt werden zu einem neuen Leben. Ausdrücklich – und im Neuen Testament nur an dieser einen Stelle – begegnet in der Taufe bzw. im Taufauftrag die trinitarische Formel.)

 

Das linke Parament ist das Schöpfer-/Schöpfungsparament und stark in Blaugrün gehalten. Das Wasser spielt eine wichtige Rolle, nicht nur in der Taufe, nicht nur in der unmittelbaren Umgebung der St.-Georgs-Kirche, sondern von Beginn der Schöpfung an: »Der Geist Gottes schwebte über den Wassern ...« (Gen. 1, 2). Alles Leben kommt aus dem Wasser. Die Pinselführung weiß um das Vegetative. Die Dreiecke spielen auf die 6 + 1 Schöpfungstage an.

 

Das mittlere Parament ist das Christusparament. Im Zentrum die Krippe/Sanduhr, Ausdruck dessen, wie sehr sich Gott in dieser Welt »eingenistet« hat (Jh.1, 14), kairós und chrónos zugleich. Wie es überhaupt zum Wesen Gottes zu gehören scheint, dass von Zeit zu Zeit der Himmel aufreißt und sich Menschen etwas erschließt von der Liebe Gottes. Rot steht für Menschwerdung, für Golgatha, auch für Geistesgegenwart.  

Letztere »thematisiert« das rechte Parament. Geistesgegenwart ist eine weitere Seite des Wesens Gottes, der Geist »fährt, wohin er will und mag ...« (EG 184, 2), kreativ, ekstatisch, unberechenbar, klingend, die Welt auf den Kopf stellend wie das erste Pfingstfest (Apg. 2), ein »Wunderpunkt«.

 

Im Grunde bleibt Trinität unsagbar, verschließt sich einem ausschließlich kognitivem Zugriff, bleibt Geheimnis, kommt anders daher als in theologischer Verrechenbarkeit. Die spannungsvolle Dreiheit des Entwurfs versucht diesem Umstand bei aller Annäherung Rechnung zu tragen.