Volker Dobers
         
  PARAMENTE
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»zkr«

80 x 140 cm, Stiftskirche Ludwigslust, zweiteilig

Ausführung: Paramenten- und Textilwerkstatt Stift Bethlehem, Ludwigslust

 

Die Arbeit »zkr« fällt aus dem üblichen Farbkanon der Paramentik heraus. Das Parament ist im wesentlichen in Blau (und Weiß/transparent) gestaltet. Blau ist Marienfarbe, erinnert an die jüdischen Wurzeln Jesu: Geboren von der jüdischen Frau Mirjam/Maria. – Blau steht gleichzeitig für Tiefe und Schwere, für das Ferne, ganz andere, das nicht Verfügbare. – Mit dem hebräischen Wortstamm zkr (gedenken) ist ein Herzstück jüdischen Selbstverständnisses aufgegriffen: »Gedenken« steht im Gegensatz zu »vergessen, wegwischen, tilgen«. zkr berührt gleichermaßen die Zeitdimensionen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

 

Sechs deutliche Streifen in Blau und Weiß-Grau auf grobem Leinen mit Spuren der Verletzung und Entwürdigung künden von dem nicht Vorstellbaren. Darüber, in kostbarer Seide gearbeitet, eine Bewegung von links nach rechts, von »goldenen« Zeiten Jerusalems während der Davids- und Salomo-Königsherrschaft, von einem Jerusalem, in dessen Straßen Recht und Gerechtigkeit wohnten (Jes. 1, 21), bald vertrieben in alle Welt, zerstreut, immer wieder unterwegs wie einst Abraham, wie das Volk in der Wüste.

 

Das Parament hat nicht nur formal (mindestens) zwei Ebenen: Einmal die Leidensgeschichte des Gottesvolkes durch all die Jahrhunderte hindurch, Tränen, Dornen, Stacheldraht, Zerstörung, Trümmer, Zerbruch und dann – kostbar und licht – die Kraft, die Würde, die Festlichkeit, ja die Lebenszugewandtheit dieses »Augapfels Gottes« allen Wunden und Narben zum Trotz.

 

Die Arbeit findet sich jeweils am 10. Sonntag nach Trinitatis, dem sogenannten »Israelsonntag«, am Altar der Stiftskirche in Ludwigslust.