Volker Dobers
           
PARAMENTE
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»Passion«

56 x 32 cm, Darmstadt, Privatbesitz

Ausführung: Textilwerkstatt Elisabethenstift, Darmstadt  

 

Der Rückgriff auf das traditionelle Violett als liturgische Farbe von Fasten- und Bußzeiten wird im vorliegenden Entwurf mit der Aktualität gegenwärtiger Passionserfahrungen verbunden. Bombenanschläge durch fanatische Autobomben-Attentäter im Land der Bibel künden ebenso von der Leidensgeschichte eines gequälten Volkes wie – auf ihre Weise – die Arbeit von Simon Wiesenthal in Wien. Passionserfahrungen sind immer auch Erfahrungen der Entwürdigung von Menschen.

 

Der Entwurf ist in der Passionszeit 1996 entstanden und versucht, die Passionsthematik formal umzusetzen. Aufgreifen herkömmlicher liturgischer Farbgebung, verbunden mit dem beißenden Gelb als Andeutung unseliger deutscher Geschichte in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und aktuellen »Zitaten« gegenwärtiger Leiderfahrungen durch die verwandten Zeitungsausschnitte ergeben die Gesamtkomposition.

 

Der geschundene Mensch: angespuckt, geschlagen, getreten, misshandelt, gedemütigt ... soll wenigstens darin sein Recht bekommen, dass er nicht verschwiegen wird. Passion wahrzunehmen, d.h. doch hinsehen in unserer Welt statt wegzuschauen, hinhören statt mit den eigenen Gedanken längst woanders zu sein.

 

Die in 56 x 32 cm ausgeführte Textilarbeit kann sich vielleicht zu so etwas wie ein Meditationstuch entwickeln, wenn der Begriff »Meditation« nicht so schrecklich abgegriffen wäre, ein Meditationstuch im ursprünglichen Sinne des lateinischen »meditari«, angesichts dessen sozusagen kreisend nachgedacht wird, zwecklos, ohne dass dabei etwas herauskommen muss. Wo genügend Zeit zur Verfügung steht. Wo die eigene Lebenssituation einfließen kann, wo die Ebenen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufscheinen. Wo die Arbeit mir vielleicht etwas sagt, was ich nicht ohnehin schon weiß.