Ein Vierteljahrhundert im Kirchendienst 
Ein Nachruf auf das Küsterehepaar Göbel aus dem Kirchenarchiv 1964/65
Verfasser unbekannt, Text vollständig zitiert, daher alte Rechtschreibweise

"Fast 30 Jahre sind vergangen, seitdem Ernst Göbel und seine Frau den Kirchendienst in der St.-Johannis-Kirche in Lüchow übernommen haben. Damals war die Zeit des Kirchenkampfes mit mancherlei Erschwerung des kirchlichen Lebens. Auch in Lüchow mehrten sich unter dem Druck der Partei die Kirchenaustritte. Es war deshalb in jener Zeit ein Entschluß, wenn jemand einen Dienst in der Kirche übernahm, denn er mußte mit allerlei Nachteilen rechnen.

Familie Göbel trat am 1. April 1937 ihren Dienst in Lüchow an. Als Geistliche amtierten damals der inzwischen verstorbene Propst Hartwig, der wenige Jahre vorher aus der Superintendentur Mark Oldendorf bei Einbeck nach Lüchow gekommen war, und der heute noch in Lüchow lebende, inzwischen 90jährige Pastor i.R. Schröder.

Der Kirchendienst umfaßte nicht nur das Sauberhalten der Kirche sowie die Pflege des Altars und aller gottesdienstlichen Geräte, sondern auch das Mitwirken bei allen Gottesdiensten und Amtshandlungen, sowie die Bedienung des Geläutes und im Winter das Heizen der Kirche und ihrer Räume. Denn da die Kirchengemeinde Lüchow keinerlei andere kirchliche Räume ... besaß, wurde der kirchliche Unterricht in beiden Sakristeien der Kirche erteilt, und für alle sonstigen kirchlichen Veranstaltungen der in der Kirche befindliche Gemeindesaal benutzt.

Deshalb erforderte dieser Dienst viel Mühe, denn in jedem Winter mußten hunderte von Zentnern Koks in die Öfen geschaufelt werden, um den großen Kirchenraum zu erwärmen. Auch das Geläut der Glocken erfolgte noch mit der Hand, und außerdem mußte drei Mal täglich die Betglocke angeschlagen werden.

Herr Göbel hatte zusätzlich zu seinem Dienst in der Kirche noch die Pflege des Lüchower Friedhofs übernommen, sowie das Amt des Totengräbers. So fehlte es dem Ehepaar Göbel nicht an Arbeit. Wie viele Wege von ihrer Wohnung in die Johannisstraße zur Kirche, zum Turm oder zum Friedhof haben die beiden in diesen 27 Jahren zurückgelegt.

Leider erlitt Herr Göbel 1956 bei seiner Arbeit auf dem Friedhof einen Unfall, und er mußte lange mit einem Beinbruch zu Bett liegen. Selbstverständlich vertrat Frau Göbel ihren Mann und übernahm später den gesamten Kirchendienst, als ihr Mann  ... nicht mehr in der Lage war, seine Arbeit weiter zu tun. Lediglich die Pflege des Friedhofs und der Totengräberdienst ging in andere Hände über.

In den letzten Jahren hat der Kirchenvorstand sich bemüht, mancherlei Arbeitserleichterung zu schaffen. Das Geläut wurde elektrifiziert, und eine Schaltuhr löst jetzt das Betläutwerk aus ... In der Kirche wurde an die Stelle der Koksheizung eine Ölumluftheizung eingebaut, die automatisch läuft. Durch den Bau des neuen Gemeindehauses wurde ein Saal und die nötigen Räume für die Jugendarbeit und den kirchlichen Unterricht geschaffen, so daß nun die Kirche nur noch den eigentlichen gottesdienstlichen Veranstaltungen dient.

Mit dem Kirchenvorstand danken ... viele treue Kirchenbesucher und Gemeindeglieder der Familie Göbel ...".

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